Einbezug und Beteiligung betroffener Personen

Einbezug und Beteiligung sowie verlässliche, unabhängige Beratung im Falle von Konflikten mit Behörden sind zentrale Anliegen armutsbetroffener Menschen. Dies wurde während dem Nationalen Programm gegen Armut 2014 - 2018 von betroffenen Personen mehrmals nachdrücklich formuliert. Auch die UNO hält in ihrer Leitlinie zu extremer Armut und Menschenrechten (2012) fest: « Die Staaten müssen in allen Phasen der Ausarbeitung, Umsetzung, Überwachung und Evaluation der Entscheidungen und Massnahmen, die Menschen in Armut betreffen, deren aktive, freie, sachkundige und konstruktive Partizipation sicherstellen. »

Die Begriffe Einbezug und Beteiligung umfassen eine Vielzahl von Bedeutungen in verschiedenen Kontexten und für verschiedene Akteure. Oft werden auch Partizipation, Teilnahme, Teilhabe oder Mitbestimmung verwendet.

Für die Armutsprävention und -bekämpfung kann Einbezug und Beteiligung z.B. heissen: 

  • Armutsbetroffene Personen können sich vernetzen, Kompetenzen aneignen, gemeinsam ihre Anliegen diskutieren, öffentlich machen und Forderungen formulieren. 
  • Die öffentliche Verwaltung und NGOs, welche in der Armutsprävention und -bekämpfung Angebote bereitstellen oder Massnahmen planen und durchführen, können dank Einbezug und Beteiligung die Angebote oder Massnahmen besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen abstimmen.
  • Aus rechtlicher Sicht steht der Rechtsschutz und die Gleichbehandlung von armutsbetroffenen Menschen im Zentrum. 
  • Aus politischer Sicht geht es darum, Entscheidungen zu legitimieren, indem die Personen, welche direkt davon betroffen sind, in die Entscheidungen einbezogen werden.  

Damit ein Partizipationsprojekt funktioniert, müssen armutsbetroffene Menschen die Möglichkeit haben, sich zu vernetzen, sich Kompetenzen anzueignen und ihre Anliegen zu formulieren. Gleichzeitig müssen auch auf Seiten Verwaltung und Politik bestimmte Rahmenbedingungen und Kompetenzen vorhanden sein. Positive Anschauungsbeispiele sind dafür oft hilfreich. 

Der Einbezug und die Beteiligung armutsgefährdeter und armutsbetroffener Menschen sowie die Rechtsberatung im Bereich der Sozialhilfe bilden einen Schwerpunkt der Nationalen Plattform gegen Armut 2019-24: 

  • In einer Studie werden erfolgsversprechende Modelle der Partizipation bei Entscheidungs-, Planungs-, Umsetzungs- und Evaluationsprozessen der Armutsprävention und -bekämpfung identifiziert und in Form von Praxishilfen aufbereitet. Die identifizierten Modelle werden in der Folge durch Beratung und Begleitung von Pilotprojekten erprobt und angewendet. Im gesamten Prozess werden armutsbetroffene und -gefährdete Personen einbezogen.
  • Eine Studie untersucht den Handlungsbedarf bzgl. Rechtsschutz in der Sozialhilfe sowie die Bedeutung von Rechtsberatung und Ombudstätigkeit für den Rechtsschutz von armutsbetroffenen Menschen. 

Die Resultate der Studien werden im September 2020 an einer nationalen Tagung präsentiert und diskutiert.

Letzte Änderung: 16.10.2019