Familienarmut

Familien bilden als Solidargemeinschaften den Kern unserer Gesellschaft. Sie leisten einen Grossteil der unentgeltlichen Erziehungs- und Care-Arbeit. Doch Familien sind finanziell stärker unter Druck als andere Haushalte. Familienarmut trifft insbesondere Alleinerziehende und Familien mit mehr als drei Kindern. Prävention und Bekämpfung von Familienarmut ist eine Querschnittsaufgabe. Wichtige Ansätze sind materielle Hilfen und Unterstützungsmassnahmen für Eltern, wie die gezielte Förderung von Kindern im Vorschulalter. 

Gemäss Bundesamt für Statistik waren im Jahr 2016 rund 108 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz von Armut betroffen; viele davon leben in Einelternfamilien. Diese machen über die Hälfte aller Familien in der Sozialhilfe aus, weil zum Beispiel nach einer Trennung die Finanzierung der Lebenshaltungskosten oder die Kosten für die Kinderbetreuung zum Problem werden können. Eine mangelnde Bildung erschwert die Situation und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt dann zusätzlich. Armutsgefährdete Familien bilden jedoch keine homogene Gruppe, auch Vielkinderfamilien sind überproportional betroffen. Familienarmut wirkt sich auf den Kinderalltag oft negativ aus. Infolge mangelnder Förderung und niedriger Bildungschancen erhöht sich das Armutsrisiko für die betroffenen Kinder im Erwachsenenalter – ein Teufelskreis. Da Familienarmut vielfältige Ursachen hat, müssen bei Prävention und Bekämpfung unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Praxis verfolgt monetäre und nicht-monetäre Ansätze, von Ergänzungsleistungen für Familien über Beiträge an Krankenkassenprämien und Steuerabzüge bis zu gezielten Gesundheitsleistungen und Beratungsangeboten. 

Massnahmen der Familienpolitik und Armutsprävention liegen hauptsächlich in der Kompetenz der Kantone, Städte und Gemeinden. Durch die föderalistische Ausgangslage ergeben sich für betroffene Familien unterschiedliche Rahmenbedingungen mit entsprechend abweichenden Unterstützungsleistungen. Hierbei trägt vorab die kommunale Ebene eine grosse organisatorische und finanzielle Verantwortung. Der Bund leistet in einzelnen Bereichen Unterstützung, etwa mit der Anstossfinanzierung für Kinderbetreuungsplätze oder Beiträgen an Dachorganisationen im Familienbereich. 

Die im Rahmen des Nationalen Programms gegen Armut 2014–2018 lancierte Studie untersuchte verschiedene kommunale Strategien sowie Massnahmen und Leistungen in ausgewählten Städten, um daraus Empfehlungen für Strategien zur Prävention und Bekämpfung der Familienarmut abzuleiten. Dabei wurde neben monetären Massnahmen die Bedeutung der nicht monetären Massnahmen besonders betont: frühe Förderung und familienergänzende Kinderbetreuung, Unterstützung der Eltern bei Erziehungsfragen und bei der Qualifizierung (Verbesserung der Arbeitsmarktkompetenzen), Integration der Familie im Quartier usw. Darüber hinaus müssen die vielen Massnahmen optimal ineinandergreifen, damit eine angemessene und längerfristige Begleitung von Familien – je nach ihren Bedürfnissen – gewährleistet werden kann.
Zwar hat auf Gemeinde- und Städteebene eine Entwicklung stattgefunden, aber bei einzelnen Aspekten bestehen nach wie vor Lücken: kontinuierliche Förderung von Kindern und Unterstützung der Familien beim Schuleintritt, während der Schulzeit, bei Übergängen, Massnahmen der sozialen Integration usw. Diese Aspekte werden im Rahmen der Nationalen Plattform gegen Armut mit Grundlagen oder Praxisinstrumenten vertieft.

Faktenblatt «Familienarmut» (September 2018)

Bundesrat: Familienbericht 2017

Der Bundesrat hat den Familienbericht 2017 verabschiedet. Dieser enthält die aktuellen statistischen Kennzahlen zu den Familien in der Schweiz, einen Überblick über die gegenwärtigen familienpolitischen Reformvorhaben auf Bundesebene sowie eine Analyse der Familienberichte der Kantone.

Analyse: Familienpolitik (2016), Bundesamt für Statistik

Die Stimmberechtigten der Schweiz haben am 28. Februar 2016 unter anderem über die Volksinitiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe» abgestimmt. Das BFS hatte die zum Abstimmungsthema verfügbaren statistischen Hintergrundinformationen zusammengestellt.

Kanton Waadt: Wirkungsanalyse des Gesetzes über die Ergänzungsleistungen für Familien und die Überbrückungsrenten

Schlussbericht – im Auftrag des Gesundheitsdepartements des Kantons Waadt (DSAS): «Evaluation des effets de la loi sur les prestations complémentaires cantonales pour les familles et les prestations cantonales de la Rente-pont (LPCFam)».
(Büro BASS, nur französisch erhältlich)

Lebenssituationen von Kindern in der Sozialhilfe, Schlussbericht (2015), Berner Fachhochschule

Wie die Kinder Armut erleben und damit umgehen, dazu gab es bis anhin kaum gesicherte Erkenntnisse. In einem Forschungsprojekt der BFH sind deshalb die Lebenssituationen, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten von armen Kindern untersucht worden. Zur angemessenen Erfassung der Kinderperspektive kamen verschiedene visuelle und gestalterische Forschungsmethoden zum Einsatz.

Familie ist kein Luxus, Sozialalmanach 2016 (2015), Caritas

Der jährlich erscheinende Sozialalmanach befasst sich besonders mit dem Thema Familienarmut.

Familienpolitik - Auslegeordnung und Handlungsoptionen des Bundes, Bericht des Bundesrates (2015)

Gestützt auf drei Berichte entschied der Bundesrat über das weitere Vorgehen in der Familienpolitik. Er behandelte folgende Themen: Wirtschaftliche Absicherung der Familien (Bekämpfung der Familienarmut), steuerlichen Entlastung der Familien, Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, Anpassung des Familien- und Erbrechts an die aktuellen Lebensformen und die Förderung der Familien als solche.

Alleinerziehende und Armut in der Schweiz (2015), Universität Bern

Im Auftrag von Caritas Schweiz untersuchte das Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern die Lebenssituationen von armutsbetroffenen oder armutsgefährdeten Einelternhaushalten in der Schweiz. Nach einer umfassenden Darstellung der Lebenssituationen mit Fallbeispielen sind Empfehlungen formuliert.

Familie im Wandel und Einelternschaft: Verletzbarkeit und Ressourcen aus Sicht der Fachleute in der Praxis (2014), Nationaler Forschungsschwerpunkt LIVES

Am Freitag, den 21. November 2014 kamen an der Universität Lausanne auf Einladung des Nationalen Forschungsschwerpunkts LIVES und des Schweizerischen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV rund dreissig Fachleute aus dem Sozialbereich zusammen. Da es heute immer häufiger zu Trennungen kommt und damit auch die Zahl der Einelternfamilien steigt, bestand das Ziel der Tagung darin, Herausforderungen für die öffentliche Politik zu benennen und mögliche Forschungsansätze zu definieren.


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Letzte Änderung: 29.10.2019